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Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) - Legasthenie
Abgelegt unter Kinder von supergump am 9. April 2007 um 01:09
Anders als bei der Legasthenie, die per definitionem Menschen umfasst, die trotz normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenz ausschließlich Probleme im Bereich des Lesens und Rechtschreibens haben, fallen unter die Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) alle Menschen, die über eine mindestens durchschnittliche Intelligenz verfügt, dennoch aber gravierende Probleme im Bereich des Lesens und / oder Rechtschreibens aufweisen.
Der Begriff ?Lese- Rechtschreibschwäche? (LRS) umfasst alle möglichen Varianten von Problemen im Bereich des Lesens und (Recht-) schreibens, unabhängig von diversen Ursachen und / oder Begleiterscheinungen. Legasthenie stellt einen spezifischen Teilbereich der Lese- Rechtschreibschwäche dar, ist aber nicht mit der Begrifflichkeit gleichzusetzen.
Eine Lese-Rechtschreibschwäche lässt sich durch die Analyse der Fehler im Bereich des Lesens- und / oder Rechtschreibens mittels einer ?Untersuchung? der Fehler ermitteln und analysieren. Die gemachten Fehler werden dabei in verschiedene Bereiche unterteilt. Im Bereich der Rechtschreibung wird in der Regel unterschieden zwischen Fehlern, die auf eine veränderte Wahrnehmung des Wortes (bzw. der einzelnen Laute) schließen lassen und Fehlern, die durch die Missachtung grammatikalischer Regeln entstehen (= Regelfehler). Aber auch beim Lesen lässt sich eine solche Fehleranalyse betreiben, wenngleich die Kategorien unterschiedlich unterteilt werden.
Bereits die Diagnose kann also wichtige Hinweise im Hinblick auf die Förderung diverser Probleme im Bereich des Lesens und Rechtschreibens liefern. Aus diesem Grund spricht man von einer so genannten Förderdiagnostik. Auf Basis der gemachten Fehler wird zunächst der Fehlerschwerpunkt ermittelt und somit die Förderung schwerpunktmäßig festgelegt. Da eine Förderung stets die Bewältigung oder Überwindung der Probleme zum Ziel hat, ist es mit einer einmaligen Analyse auch nicht getan. Im Rahmen der Förderung muss immer wieder eine Förderdiagnostik betrieben werden um neben den Veränderungen auch den Stand der jeweiligen Probleme zu ermitteln. Zur förderdiagnostischen Abgrenzung kann prinzipiell jeder Text herangezogen werden, allerdings helfen spezifische Tests und standardisierte Testverfahren dabei, die Fehler zu ermitteln. Im Bereich der Grundschule sind dies neben einer Vielzahl weiterer Testverfahren beispielsweise der DRT und / oder die diagnostische Bilderliste, die angepasst auf die jeweiligen Klassenstufen zum Einsatz kommen können.
Weshalb Menschen unter einer Problemen im Bereich des Lesens und / oder Rechtschreibens leiden, lässt sich pauschal nicht beurteilen. Viele Ursachen kommen für die Ausbildung einer solchen Problematik in Frage. Da die Ursachen einer Lese- Rechtschreibschwäche nicht unerheblich sind für die Förderung, wird in der Regel auch nach den Ursachen für die Entstehung der Probleme gesucht. Dies ist allerdings nicht immer einfach, sodass der Schwerpunkt doch in besonderer Weise auf der Förderung liegt, die sich an den individuellen Fehlerquellen auszurichten hat. Auf Basis der Förderdiagnostik wird dann ein so genannter Förderplan erstellt, der nach Möglichkeit mit den Eltern besprochen werden sollte. Da die Förderung der Probleme in den meisten Bundesländern der Schule zugesprochen wird, ist ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrer und Eltern im Rahmen der Förderung von zentraler Bedeutung. Der Förderplan kann darüber hinaus empfehlen, auch außerschulische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn das Kind unter der schulischen Misserfolgssituation leidet (Misserfolgserlebnisse, Minderwertigkeitsgefühl, Selbstzweifel, vermindertes Selbstwertgefühl, ?). Im Rahmen der Förderung muss darauf geachtet werden, dass Überaktionismus im Sinne von Üben, Üben und nochmal Üben vermieden wird. Es muss also das gesunde Mittelmaß gefunden werden, damit die Förderung keine zusätzliche Belastung darstellt. Es empfiehlt sich daher auch, der Förderung einen spielerischen Charakter zu geben, beispielsweise durch die Verwendung spezifischer Lernspiele, die auf die individuellen Probleme ausgerichtet sind.
Je nach Bundesland ist die Handhabe der Probleme in der Schule individuell geregelt. Auch die Erteilung eines Notenschutzes ist denkbar, allerdings nicht immer sinnvoll. Bevor ein Notenschutz ausgesprochen wird, sollten im Vorfeld die unterschiedlichsten Möglichkeiten eines Nachteilausgleiches beachtet werden. Beispielsweise besteht die Möglichkeit einer Ausdehnung der Bearbeitungszeit (beispielsweise bei Klassenarbeiten). Auch die Bereitstellung unterstützender Arbeitsmittel (Lauttabelle, Wörterbuch, ?) ist ebenso denkbar wie die Beurteilung der individuellen Leistungen ohne Rücksicht auf die Klassennorm, etc.. Ein Nachteilausgleich wird in der Regel nach Antrag der Eltern und Anhörung der Klassenkonferenz (= alle in der Klasse unterrichtenden Lehrer) durch die Schulleitung ausgesprochen. Die Gewährung eines Nachteilausgleiches sollte durchdacht und in spezifischer Weise der individuellen Förderung angepasst sein.
Eine von der Norm abweichende Bewertung muss allerdings im Zeugnis vermerkt werden. Darüber hinaus müssen die Eltern verstehen, dass die Bewertung nach unterschiedlichen Maßstäben nicht mit einer normalen Bewertung aus dem Klassenverband gleichzusetzen ist. Ob und wie lange die individuelle Bewertung aufrechterhalten werden kann ist nach  individueller Rechtslage des jeweiligen Bundeslandes abzuklären. Insbesondere bei Abgangs- und Abschlusszeugnissen gelten andere Prinzipien und Regeln.
Weitere Informationen finden Sie unter:
Lese-Rechtschreibschwäche
Ihr Dr. Nicolas Gumpert
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