Die Frage nach Ursprung und Herkunft der Welt und des Menschen wird wie in anderen Religionen und Mythen auch vom Schöpfungsbericht der Bibel gestellt und beantwortet. Dem christlichen Selbstverständnis entsprechend wurde die Welt und alles, "was da kreucht und fleucht", einschließlich des Menschen, von Gott in einem einmaligen Schöpfungsakt geschaffen.
Trotz der beginnenden Zweifel im 17. und 18. Jahrhundert an diesem einmaligen Schöpfungsakt kam erst mit Darwins 1859 erschienenen Werk von der Entstehung der Arten die epochale Wende, die Wende zur Anschauung der allgemeinen Deszendenz der Organismen. Demnach ist die gegenwärtige Vielfalt des Lebendigen die Folge des Wandels von einer Art zur anderen, bedingt durch die Mechanismen der biologischen Evolution. Dass auch der Mensch ein Produkt dieser Evolution ist, wird von der Wissenschaft nicht mehr bezweifelt. In Frage steht nur das "Wie" und "Wann". Vor 70 Millionen Jahren trat der Stamm der Säugetiere deutlich hervor, und vor 30 Millionen Jahren mag sich die Trennung von Pongiden, d.h. Menschenaffen, und Hominiden, d.h. menschenartigen Säugetieren, vollzogen haben.
Wesentlich für die Entwicklung zum Homo sapiens war der aufrechte Gang, der Arme und Hände von den Aufgaben der Fortbewegung entlastete und damit zur Anfertigung und zum Gebrauch von Werkzeugen frei machte. Der erste, noch affenähnliche Mensch, der sich aufrichtete und somit buchstäblich seinen Horizont erweiterte, hat als Ahne unseres Geschlechts zu gelten.
Südasien, Süd- und Ostafrika sind die wesentlichen Fundstätten, wenn es um die Frage der menschlichen Urheimat geht. Europa weist wenige, aber entscheidende Spuren auf. Hier entdeckte 1856 der Studienrat Fuhlrott in einer Höhle des Neandertals bei Düsseldorf menschliche Schädelreste, die weit in die Vorzeit zurückweisen und auf ein Alter von 60 000 Jahren geschätzt werden.
Die Vorgeschichtsforschung erhielt damit einen mächtigen Impuls. Auf Java, in China, in Afrika und bei Heidelberg wurden noch wesentlich ältere Reste gefunden. Man fasste sie zur so genannten Pithecanthropus-Gruppe zusammen, den Urmenschen. Mit ihnen beginnt die Epoche, die wir Vorgeschichte nennen. Die spärlichen Funde der Frühzeit erlauben allerdings nur grobe Datierungen, später ist eine genauere Klassifizierung möglich. Die Epochenbegriffe und -grenzen bleiben jedoch relativ: Als im Alten Orient schon längst schriftliche Zeugnisse vorlagen, also schon von "Geschichte" zu sprechen ist, dauerte in Europa, je nördlicher desto länger, die schriftlose Vorgeschichte noch an.
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